Am vergangenen Übungsdienst trafen sich rund 60 Einsatzkräfte der Ortsfeuerwehren Kirchhorst-Stelle und Kaltenweide zu einer gemeinsamen Ausbildung in Kaltenweide. Solche standortübergreifenden Übungen sind ein wichtiger Bestandteil der Feuerwehrarbeit, da größere Einsatzlagen häufig nur gemeinsam und mit abgestimmten Abläufen bewältigt werden können.
Der Übungsdienst wurde von Tobias Seifert von der Ortsfeuerwehr Kaltenweide unter Mitwirkung von Sönke Seißelberg aus Kirchhorst-Stelle vorbereitet und ausgearbeitet. Ziel der Übung war es, den Aufbau und Betrieb einer Dekontaminationsstrecke realitätsnah zu trainieren.
Die Übungslage: Unfall in einer Biogasanlage
Ausgangslage der Übung war ein angenommener Brandeinsatz in einer Biogasanlage. Mehrere Mitarbeiter befanden sich im Gefahrenbereich des Feuers und mussten zunächst von Einsatzkräften der Ortsfeuerwehr Godshorn gerettet werden.
Während der Rettungsmaßnahmen stellte sich jedoch heraus, dass sowohl die Einsatzkräfte als auch die geretteten Personen mit gefährlichen Stoffen kontaminiert worden waren. Dadurch entstand eine neue Einsatzlage für die nachrückenden Kräfte.
Die Aufgabe der Ortsfeuerwehren Kaltenweide und Kirchhorst-Stelle bestand darin, eine Dekontaminationsstrecke aufzubauen und die betroffenen Personen fachgerecht zu dekontaminieren.
Dekontamination bei der Feuerwehr – Schutz für Menschen und Einsatzkräfte
Bei Einsätzen mit Gefahrstoffen ist die Dekontamination (Dekon) ein entscheidender Bestandteil der Gefahrenabwehr. Ziel ist es, gefährliche Stoffe von Personen, Kleidung oder Ausrüstung zu entfernen, um eine weitere Ausbreitung der Kontamination zu verhindern.
Dazu wird eine strukturierte Dekontaminationsstrecke aufgebaut. In dieser durchlaufen die betroffenen Personen mehrere Stationen, beispielsweise:
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Ablegen kontaminierter Schutzkleidung
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Grobreinigung und Spülung mit Wasser
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gründliche Reinigung der Einsatzkräfte oder Betroffenen
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medizinische Sichtung und Betreuung
Gerade für Feuerwehrkräfte, die zuvor unter Atemschutz im Gefahrenbereich eingesetzt waren, ist eine sorgfältige Dekontamination besonders wichtig, um Gesundheitsrisiken zu vermeiden.
Gefahren in Biogasanlagen
Biogasanlagen spielen eine wichtige Rolle bei der Energiegewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen. Dennoch können bei Störungen oder Unfällen verschiedene Gefahren auftreten, die einen Feuerwehreinsatz erforderlich machen.
Zu den möglichen Risiken gehören unter anderem:
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Methan, ein hochentzündliches Gas, das explosionsfähige Gemische bilden kann
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Schwefelwasserstoff (H₂S), ein hochgiftiges Gas, das bereits in kleinen Mengen gefährlich ist
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kontaminierte Gärreste oder Flüssigkeiten
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technische Anlagenbereiche mit chemischen oder biologischen Gefahren
Solche Szenarien machen deutlich, wie wichtig es ist, dass Feuerwehrkräfte regelmäßig den Umgang mit Gefahrstoffen und Dekontaminationsmaßnahmen trainieren.
Erfolgreiche Zusammenarbeit der Ortsfeuerwehren
Während der Übung arbeiteten die Einsatzkräfte beider Ortsfeuerwehren eng zusammen und konnten die Dekontaminationsstrecke zügig und strukturiert aufbauen. Neben der praktischen Ausbildung stand vor allem die Zusammenarbeit zwischen den Einheiten im Fokus.
Solche gemeinsamen Übungen stärken die Einsatzbereitschaft und sorgen dafür, dass im Ernstfall jeder Handgriff sitzt.
Kameradschaftlicher Ausklang im Gerätehaus Kaltenweide
Nach dem erfolgreichen Abschluss der Übung klang der Abend im Gerätehaus Kaltenweide in kameradschaftlicher Runde aus. Bei Bratwurst und einem Getränk nutzten die Einsatzkräfte die Gelegenheit zum Austausch über die Übung.
Ein besonderer Dank gilt dem Betreiber der Biogasanlage, der die Feuerwehrkräfte während des Übungsdienstes mit Getränken versorgt hat.







